Kind schreibt

Bestimmt haben Sie schon einmal etwas von „LRS“ gehört. Nicht selten fällt dieser Begriff, wenn sich Kinder mit dem Erlernen des Lesens und des Schreibens schwertun. Doch, bedeutet „LRS“ wirklich, dass Kinder Schwierigkeiten mit dem Lernen dieser beiden Fähigkeiten haben? Steckt unter Umständen mehr hinter dem Begriff?

Viele Eltern reagieren mit Verunsicherung, wenn sie feststellen, dass das Kind bezüglich des Lesens und des Schreibens auf Schwierigkeiten trifft. Doch nicht immer liegt zwangsläufig LRS vor, wenn die Kinder etwas mehr Zeit brauchen, um diese Fähigkeiten zu erlernen. Wie sagt man doch so schön? – Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Oder: Die Übung macht den Meister.

Doch, was passiert, wenn auch die Übung und das regelmäßige Wiederholen im Sand verlaufen? Wie handeln Eltern, wenn das Kind keine Verbesserung zeigt? Alles in allem sollten Sie immer ruhig bleiben und nicht in Panik verfallen, wenn ein Kind etwas mehr Zeit braucht, um Lesen und Schreiben zu lernen. Dass ein Kind stockend liest oder Buchstaben verwechselt reicht bei weitem nicht aus, um eine LRS bei ihm zu diagnostizieren. Dennoch gibt es durchaus einige Anzeichen, die Achtsamkeit erfordern.

Was Sie tun können, wie Sie eine mögliche LRS bei einem Kind erkennen und welche Symptome typisch für LRS sind, erfahren Sie hier.

Was ist LRS überhaupt?

Junge sitzt auf Boden und schreibt

Bevor Sie mehr darüber erfahren, wie Sie merken, dass ein Kind oder auch ein erwachsener Mensch LRS hat, sollten Sie erst einmal wissen, was eine solche LRS überhaupt ist. Sie haben richtig gelesen – Kinder oder Erwachsene! Denn, selbst wenn viele Menschen die Diagnose „LRS“ im Kindesalter erhalten, schließt das nicht aus, dass LRS auch Erwachsene betrifft. Übersetzen Sie den Begriff „LRS“, bei der es sich eigentlich um eine Abkürzung handelt, bedeutet LRS eine Lese-Rechtschreib-Störung. Diese bezeichnet sehr große Schwierigkeiten bezüglich des Erlernens des Schreibens und des Lesens.

Vielen Betroffenen gelingt es somit nur bedingt oder oft auch gar nicht, das Lesen und das Schreiben zu lernen – selbst, wenn sie sich sehr anstrengen.

Circa 4 Prozent aller Kinder weisen eine LRS auf, wobei bei verschiedenen Untersuchungen aufgefallen ist, dass Jungen circa 3 Mal häufiger betroffen sind als Mädchen. Wie schon gesagt, beschränkt sich die LRS nicht nur auf das Kindesalter, sondern kommt auch im Erwachsenenalter immer mal wieder vor.

So weisen auch circa 4 Prozent aller jungen deutschen Erwachsenen eine LRS auf. In diesem Fall äußert sich die Lese-Rechtschreib-Störung dadurch, dass die Erwachsenen ein durchschnittliches Lese- und Schreibniveau aufweisen, das in der Regel bei Viertklässlern zu erkennen ist.

Das Lesen und das Schreiben

Kind hält Buch in den Händen

Eine LRS bezieht sich als Lese-Rechtschreib-Störung sowohl auf das Lesen als auch auf das Schreiben. Nun stellt sich für viele Menschen jedoch die Fragen, ab wann sie sich Sorgen machen sollten. Lernen Kinder neue Dinge, wie zum Beispiel das Lesen und das Schreiben, ist es vollkommen normal, dass sie anfangs auf einige Schwierigkeiten und Hindernisse treffen.

Wann sollten sich Eltern oder Lehrkräfte also Sorgen machen? Wann kann von anfänglichen Startschwierigkeiten und wann von LRS gesprochen werden? Besteht eine klare Linie zwischen Anfangsschwierigkeiten und LRS? Verläuft die Grenze fließend? Fragen über Fragen, die vielen Eltern im Kopf herumschwirren und sie zusätzlich verunsichern.

Das LesenDas Schreiben
Es ist vollkommen normal, dass Kinder anfangs auf Schwierigkeiten treffen und nur stockend und sehr langsam lesen. Verflüssigt sich das Lesen jedoch nicht und schafft es das Kind nicht, sein Lesetempo zu steigern, sollten Eltern hellhörig werden und eine LRS in Betracht ziehen.Ab Beginn der zweiten Klasse sollten Kinder dazu in der Lage sein, Worte zu schreiben. Machen sie hingegen regelmäßig zahlreiche Fehler, sollten die Eltern und auch die Lehrkräfte ein Auge auf die weitere Entwicklung haben.

Machen Sie auf keinen Fall die Pferde Scheu und setzen das Kind nicht unter Druck, wenn es auf Startschwierigkeiten trifft. Zwar lernen einige Kinder bereits vor der ersten Klasse ein paar Buchstaben zu schreiben (in der Regel wollen viele Kinder ihren Namen schreiben), allerdings stellt das kein Muss dar. Nur, wenn ein Kind seinen Namen noch nicht vor dem Schuleintritt schreiben und lesen lernen möchte, weist das automatisch auf LRS hin. In der Tat basiert das Lerntempo bezüglich des Lesens und des Schreibens nicht nur auf dem individuellen Tempo des Kindes, sondern auch auf:

  • Erfahrungen, die es möglicherweise zuvor gemacht hat.
  • individuellen Auffassungen.  
  • dem sozialen Umfeld, das das Kind umgibt.

Äußere Rahmenbedingungen, die Defizite bezüglich des Lerntempos begünstigen

Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass die Ursachen für ein langsames Lerntempo und für mögliche Schwierigkeiten nicht immer ausschließlich bei dem Kind liegen. Sehr viele äußere Faktoren haben einen Einfluss auf die Defizite, die ein Kind bezüglich des Lesens und des Schreibens aufweisen kann.

Unter anderem spielen somit die folgenden Faktoren bei vielen Kindern eine nicht zu unterschätzende Rolle:

Die Lehrkraft wechselt sehr oftVor allem für junge Kinder in der Grundschule stellt das ein Problem dar. Kinder in diesem Alter brauchen Beständigkeit und Routinen, auf die sie sich verlassen können. Sie müssen Vertrauen aufbauen können, um somit in einer sicheren Lernumgebung ohne Sorgen oder ständige Neuerungen lernen zu können.
Der Lehrer verwendet ungeeignete UnterrichtsmethodenJedes Kind lernt anders und kommt unter Umständen mit einigen Lernmethoden nicht zurecht. Demnach besteht immer mehr die Nachfrage nach Flexibilität im Unterricht und der Verwendung verschiedener Lernkonzepte, die auf alle Schüler zutreffen.
Die Situation in der Klasse ist problematisch und überfordert die KinderHat das Kind viel mit den Rahmenbedingungen in der Klasse zu kämpfen, bleibt nicht viel Konzentration und Kraft, die es für das Erlernen neuer Dinge aufbringen kann.
Stress in der FamilieBereits Erwachsenen fällt es schwer, sich zu konzentrieren, wenn sie unter Stress leiden. Ein kleines Kind ist noch überforderter und hat somit überhaupt keinen Kopf für neue Lerninhalte.

Auch viele weitere äußere Bedingungen beeinflussen das Lerntempo und auch die Fähigkeit, das Lesen und das Schreiben zu lernen, negativ. Bevor Sie also LRS bei dem Kind vermuten, stellen Sie sicher, ob nicht möglicherweise andere Rahmenbedingungen die Probleme des Kindes bedingen.

Stellen Sie fest, dass eine oder auch mehrere äußere Bedingungen für das langsame Lerntempo und die Schwierigkeiten des Kindes verantwortlich sind, hilft es oft, das Problem an der Wurzel zu packen. Finden Sie eine Lösung auf das Problem, legen sich die Schwierigkeiten des Kindes in der Regel nach einiger Zeit wieder.

Woran Sie LRS bei einem Kind erkennen

Kind sitzt vor offenem Buch

Sind es nicht die äußeren Rahmenbedingungen, die die Schwierigkeiten des Kindes bedingen, stellen sich Eltern und auch Lehrkräfte die Frage, woran sie nun LRS ausmachen? Welche Symptome weisen auf eine Lese-Rechtschreib-Störung hin?

In der Regel verläuft die Grenze zwischen den anfänglichen und normalen Startschwierigkeiten bezüglich des Lesens und des Schreibens und LRS fließend. Aus diesem Grund fällt es auch nicht unbedingt leicht, LRS bei Kindern zu diagnostizieren.

Achtsamkeit ist von Eltern und Lehrkräften ab der zweiten Klasse gefragt. Denn in der Regel manifestieren sich die ersten Anzeichen der Lese-Rechtschreib-Störung in der zweiten Klasse.

In einigen Fällen erkennen Eltern und Lehrkräfte LRS aber auch erst später, wobei eine frühe Behandlung eine fundamentale Rolle für die weitere Entwicklung des Kindes spielt. Wie die Behandlung erfolgt und wieso die früher Behandlung eine so wichtige Rolle spielt, sehen Sie in einem Abschnitt weiter unten.

Symptome der LRS

Um nun festzustellen, dass ein Kind möglicherweise unter LRS leidet, sollten Eltern und Lehrkräfte ihre Augen bezüglich folgender Symptome offenhalten:

  • Beim Lesen weist das Kind ein sehr langsames Tempo auf und gerät häufig ins Stocken.
  • Das Zusammenziehen einzelner Buchstaben stellt das Kind vor eine nahezu unüberwindbare Herausforderung.
  • Selbst, wenn das Kind Texte langsam lesen kann, versteht es den Inhalt nicht.
  • Auch, wenn Kinder Wörter intensiv geübt und immer wieder wiederholt haben, machen sie auffallend viele Fehler bezüglich der Rechtschreibung.
  • Wörter, die das Kind kennt, schreibt es mal richtig, dann mal wieder falsch und dann wieder richtig.
  • Beim Schreiben von Wörtern lässt das Kind einzelne Buchstaben oder sogar ganze Wortteile weg oder fügt dem Wort vollkommen unpassende Bestandteile hinzu.
  • Beim Abschreiben trifft das Kind auf sehr große Schwierigkeiten.
  • Oft entwickeln betroffene Kinder eine recht undeutliche und teilweise sogar sehr unleserliche Handschrift.
  • Auch die beste Nachhilfe bringt keinen Erfolg.

Ein weiteres interessantes Phänomen und somit auch Symptom der LRS ist die Tatsache, dass Kinder mündlich in der Regel keine Probleme haben. Oft können sich Kinder, die LRS haben, mündlich sogar sehr gut auszudrücken. Auf Schwierigkeiten treffen sie, wenn sie ihre Gedanken auf Papier bringen sollen.

Die Diagnose und die Behandlung von LRS

Kind mit Bastelsachen auf dem Tisch

Nur, weil Sie bei einem Kind einige dieser genannten Symptome entdecken, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es LRS hat. Um die Diagnose stellen zu können, wenden Sie sich am besten an den Schulpsychologen. Dieser führt in der Regel einen Test durch, der die IQ-Diskrepanz des Kindes bestimmt.

Wurde die Diagnose „LRS“ anhand bestimmter Tests gestellt, ist es wichtig, dass Sie sich schnell um eine geeignete Behandlung der Lese-Rechtschreib-Störung des Kindes kümmern. In der Regel ist die individuelle Förderung dabei der passende Weg. Denn jedes Kind entwickelt sich anders und äußert LRS folglich auch anders.

Demnach bringt eine individuelle, direkt auf das Kind zugeschnittene Förderung, die besten Erfolge mit sich.

Sie hilft dem Kind dabei:

  • Symptome von LRS zu mindern
  • den Anschluss in der Schule nicht zu verlieren
  • das Lesen und das Schreiben langsam zu erlernen

Wenden Sie sich also an einen kompetenten Fachmann, führt eine spezielle LRS-Therapie zu guten Ergebnissen. Selbst, wenn Kinder dennoch Probleme mit dem Lesen und den Schreiben haben könnten, kommen betroffene Kinder mit der richtigen Behandlung später sehr viel besser klar als das ohne Therapie der Fall wäre.

Deshalb ist eine rechtzeitige Behandlung von LRS so wichtig

Eine Behandlung von LRS ist wichtig – keine Frage. Aber, wieso sollte die Behandlung so früh wie möglich erfolgen? Ganz einfach aus dem Grund, weil LRS nicht nur für die Eltern, sondern auch für die betroffenen Kinder selbst viele unangenehme Folgen mit sich bringt.

Diese Folgen beziehen sich unbehandelt nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft. Denn Kinder, die unter LRS leiden und keine Therapie erhalten haben, wachsen zu Erwachsenen mit LRS heran, die später mit schlimmen und teilweise sehr einschneidenden Folgen zu kämpfen haben.

Folgen, die eine nicht behandelte LRS mit sich bringen kann, äußern sich oft in den folgenden Symptomen:

  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Sehr negativ beeinflusstes Selbstbewusstsein
  • Versagensängste, die sogar bis hin zur Schulangst reichen können
  • Lustlosigkeit
  • Traurigkeit, die zur Depression werden kann
  • Kopfweh und Bauchweh

Nicht selten leiden Kinder unter Mobbing und in vielen Fällen konnte festgestellt werden, dass Kinder, die von LRS betroffen sind, nicht selten auch eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aufweisen können. Worum es sich dabei handelt, erfahren Sie in einem anderen separaten Artikel. In diesem erfahren Sie auch worin der Unterschied zwischen ADS und ADHS besteht.

Erwachsene leiden im Erwachsenenalter zudem unter sehr starken Einschränkungen und Problemen in der Berufswelt, da das Lesen und Schreiben zwei fundamentale Fähigkeiten darstellen, die Arbeitgeber in der Arbeitswelt als Grundvoraussetzung fordern. In der Regel gehen Menschen davon aus, dass alle Menschen lesen und schreiben können. Nicht selten führt das zu Scham, Selbstzweifeln und sogar Selbsthass, wenn Erwachsene diese beiden Fähigkeiten aufgrund einer nicht erfolgten Therapie im Kindesalter nicht oder nur gering aufweisen.

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