Zwei Erwachsene in einem Raum

Bestimmt haben Sie schon einmal etwas von dem Begriff der „Logopädie“ gehört, sich jedoch nie intensiv damit auseinandergesetzt, was sich eigentlich wirklich dahinter versteckt. Was genau ist die Logopädie? Worin besteht eine logopädische Behandlung? Aus welchen Bereichen setzt sich die Logopädie zusammen?

Die Sprache begleitet Menschen jeden Tag. Bereits bei kleinen Kindern, die langsam erst die Sprache lernen, spielt die Sprache bereits eine große Rolle. Eltern machen sich sorgen, dass das Kind die Sprache nicht schnell oder nicht rechtzeitig genug lernt und werfen einen besonders intensiven Blick auf die Entwicklung der Sprache.

Über die Sprache treten Menschen miteinander Kontakt und sie wird als Selbstverständlichkeit in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens als Grundvoraussetzung erwartet. Umso wichtiger ist es, dass Menschen die Sprache richtig beherrschen.

Allerdings treten bei einigen Menschen Probleme in den Bereichen des Sprechens, der Stimmproduktion, der Sprache selbst oder auch des Schluckaktes auf, die eine professionelle Behandlung erfordern. Genau um diese professionelle Behandlung kümmert sich ein Logopäde.

Was ist die Logopädie und welche Ziele verfolgt sie?

Kind mit Klebeband vor dem Mund

Wie schon gesagt, stellt die Kommunikation über die Sprache einen wichtigen Bestandteil des täglichen Lebens aller Menschen dar. Ganz egal, ob im beruflichen Alltag oder auch im familiären und im sozialen Umfeld – die Sprache spielt eine fundamentale Rolle.

Leiden Menschen jedoch unter einer Beeinträchtigung folgender Bereiche, sollten sie sich an einen Logopäden wenden:

  • Sprachverständnis
  • Artikulation
  • Lautbildung
  • etc.

Der Begriff „Logopädie“ selbst leitet sich aus dem Griechischen ab. Das Wort „logos“ bedeutet auf Deutsch übersetzt, so viel wie „Wort“ oder „Rede“, während das Wort „paedeuein“ so viel, wie „erziehen“ bedeutet.

Sprich: bei einem Logopäden handelt es sich um einen Fachmann aus der Medizin, der Ihnen dabei hilft, Ihre Sprache zu verbessern und Ihre Kommunikationsfähigkeit wieder herzustellen. Für diese Zwecke finden in der Logopädie sehr viele unterschiedliche gezielte Behandlungen ihren Einsatz.

Wenngleich die Logopädie einen Bestandteil der medizinischen Grundversorgung darstellt, gehört diese Berufsgruppe zu der Kategorie der nicht-ärztlichen Heilberufe.

Zusammengefasst verfolgt die Logopädie also das Ziel der Verbesserung oder der Wiederherstellung der Kommunikationsfähigkeit.

Gehen nur Kinder zum Logopäden?

Kind mit Buch

Kommt die Logopädie in einem Gespräch auf, handelt es sich in der Regel um Kinder, die sich gerade in einer logopädischen Behandlung befinden. Das liegt in der Regel daran, dass heute Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern recht früh erkannt werden können. Je früher Eltern in einem solchen Fall eingreifen, umso höher fallen die Chancen auf eine normale weitere Sprachentwicklung aus.

Aus diesem Grund befinden sich vor allem sehr viele Kinder in der Behandlung eines Logopäden. Allerdings bedeutet das nicht, dass sich der Beruf des Logopäden ausschließlich mit der Behandlung von Kindern beschäftigt. In der Tat zielen die vielen unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten darauf ab, allen Menschen eine Behandlung für die Verbesserung der Kommunikation bieten zu können.

Das Angebot der Logopädie richtet sich somit an:

  • Säuglinge
  • Vorschulkinder
  • Schulkinder
  • Jugendliche
    Erwachsene

Dabei behandeln Logopäden nicht nur ein bereits bestehendes Problem, bzw. eine bestehende Beeinträchtigung, sondern sie führen auch präventive Maßnahmen ein. Diese kommen vor allem dann zur Anwendung, wenn in dem Rahmen der Früherkennung festgestellt wird, dass Betroffene früher oder später unter Problemen mit der Sprache leiden könnten.

Wie arbeitet die Logopädie?

Um einen Erfolg mit sich zu bringen arbeitet die Logopädie ganzheitlich. Sprich: Fachkräfte kümmern sich nicht nur um die Therapie, sondern führen im Vorfeld die notwendigen Untersuchungen durch, um im Anschluss daran die Diagnose stellen zu können.

Zudem übernehmen es die Fachkräfte vor dem Start der Therapie, die Betroffenen umfangreich zu beraten. In diesem Beratungsgespräch erfahren die Betroffenen oder die Eltern der Betroffenen alles Wichtige rund um die Behandlung und alle künftigen Schritte und Meilensteine.

Wer verordnet eine logopädische Behandlung?

Stetoskop

Um sich einer logopädischen Behandlung unterziehen zu können, muss diese von einem Arzt verordnet werden. In der Regel wenden sich Betroffene erst einmal an einen Hausarzt oder an einen Kinderarzt, wenn sie bestimmte Probleme bezüglich der Kommunikation, der Sprache oder der Sprachentwicklung bei sich oder bei ihren Kindern vermuten.

Nach einer ersten Einschätzung des Hausarztes, des Kinderarztes oder auch des HNO-Spezialisten oder des Pneumologen, verordnen die Fachkräfte einen Besuch bei einem Logopäden. Basierend auf der Verordnung wenden Sie sich dann an einen Logopäden. Dort können Sie dann nach der Untersuchung, Diagnose und Beratung entweder an Einzel- oder Gruppentherapien teilnehmen. Diese bieten die Fachkräfte entweder direkt in ihrer Praxis oder, in einigen Sonderfällen, auch als Hausbesuch an.

Wann sollte man die Logopädie durchführen?

Das Ziel der Logopädie besteht darin, ein Problem zu lösen. Voraussetzung für die Durchführung der Logopädie stellt somit das Vorhandensein eines Problems dar. Anders, als Sie vielleicht vermuten könnten, stellen nicht nur Menschen mit Sprechproblemen die Zielgruppe der Logopäden dar. Vielmehr behandelt die Logopäde als sehr umfangreiches Feld viele unterschiedliche Probleme, die Kinder und Erwachsenen in allen Altersklassen aufweisen können.

Zu den Problemen und den entsprechenden Maßnahmen, die Logopäden behandeln und durchführen, gehören unter anderem:

  • Dysphagien bei Babys, Kleinkindern und Erwachsenen. Bei einer Dysphagie handelt es sich um einen Saug-, Fütter-, Ess-, und Schluckstörung. Bei Erwachsenen kann diese unter anderem als Folge von neurologischen und geriatrischen Erkrankungen oder auch nach einer Tumor-Erkrankung auftreten.
  • Orofaciale Funktionsstörungen. In diesem Fall unterstützt die Logopädie die kieferorthopädische oder die zahnärtzliche Behandlung.
  • Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern.
  • Mutismus, der auch unter dem Begriff der „Sprechangst“ bekannt ist.
  • Dyslalien, was auch als „Lautfehlbildung“ bezeichnet wird.
  • Hörverarbeitungs-, und Hörwahrnehmungsstörungen
  • Stottern
  • Stimmstörungen
  • Sprech- und Sprachstörungen. Diese treten vor allem in dem Zusammenhang mit neurologischen oder geriatrischen Erkrankungen auf, unter die unter anderem Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Parkinson oder auch Demenzen gehören.

In all diesen Fällen hilft die Logopädie den Betroffenen mit einer gezielten Behandlung.

Wie findet die Diagnose statt?

Eine wichtige Frage, die Sie sich vielleicht stellen mögen, stellt die Frage danach dar, wie die Diagnose erfolgt, die die Grundvoraussetzung für die logopädische Behandlung darstellt.

Für diese Zwecke greift die Logopädie auf verschiedene logopädische Diagnoseverfahren zurück. Diese umfassen unter anderem die Folgenden:

  • Die Messung des individuellen Hörvermögens über ein Tonaudiogramm (eine Hörkurve)
  • Der Stimmstatus
  • Bildgebende Verfahren
  • Die Messung des Stimmfelds
  • Endoskopische und neurobiologische Untersuchungen
  • Sprach-, und Sprechanalysen
  • Aachener Aphasietest (AAT)

Welche der Diagnoseverfahren dabei jeweils ihre Anwendung finden, entscheidet der Logopäde. Im Anschluss an die Ergebnisse der einzelnen Verfahren stellt er dann den individuellen Therapieplan zusammen.

Die drei Bereiche der Logopädie

Wenngleich die Logopädie einen sehr umfangreichen Bereich der Medizin darstellt, umfasst er drei fundamentale Bereiche. Es handelt sich um die:

  • Sprachtherapie
  • Sprechtherapie
  • Stimmtherapie

Für welche der drei Therapien sich der Logopäde entscheidet oder, ob er eine Kombination aus den verschiedenen Bereichen verordnet, basiert immer auf dem Beschwerdebild des Patienten. Grundlage für die Ermittlung des Beschwerdebildes stellt dabei, wie schon erwähnt, die umfassende Diagnose dar. Basierend auf der umfassenden Diagnose ermittelt der Logopäde die passende Therapieform für die Behandlung des Patienten.

Die Sprachtherapie

Ein großes Ziel der Sprachtherapie besteht darin, die Probleme bezüglich der Sprachentwicklung zu behandeln. Das heißt, dass Betroffene oft Probleme bezüglich des Sprachgebrauchs und bezüglich des Sprachverständnisses aufweisen. Diese Probleme äußern sich dabei unter anderem in:

  • einem eingeschränkten Wortschatz
  • der Unfähigkeit in zusammenhängenden Sätzen zu sprechen
  • Problemen damit, die Bedeutung der Sprache und von Texten zu erfassen.
  • einer Lese-Rechtschreib-Schwäche
  • Störungen der Sprachentwicklung bei Kindern

All diese Bereiche behandelt der Logopäde mit einigen bestimmten Maßnahmen, die unter den Deckmantel der Sprachtherapie fallen.

Die Maßnahmen bestehen unter anderem darin, dass der Logopäde gemeinsam mit dem Patienten:

  • die sprachlichen Äußerungen anbahnt.
  • Sprachverständnis aufbaut.
  • Lautsprache ausbildet und erhält, um so die sprachliche Kommunikation zu verbessern.
  • Artikulation verbessert und nonverbale Möglichkeiten für die Kommunikation schafft.
  • die auditive Wahrnehmungsfähigkeit verbessert und normalisiert.
  • Kommunikationsstrategien aufbaut.
  • den Sprachklang normalisiert
  • Dysfunktionen der Muskulatur im Bereich des Kehlkopfes und der Zunge beseitigt.
  • den Schluckvorgang bessert und erhält.

Die Sprechtherapie

Kind mit kleinem Finger im Mundwinkel

Den zweiten Bereich der Logopädie stellt die Sprechtherapie dar. Wenngleich sich der Begriff der Sprech- und der Sprachtherapie sehr stark ähneln und in nur einem Vokal voneinander unterscheiden, steckt hinter den beiden Behandlungen ein jeweils anderer Ansatz.

Denn mit den Maßnahmen der Sprechtherapie behandeln Logopäden gezielt Probleme, die sich auf die Artikulation beziehen. Wenn Menschen also Probleme mit der korrekten Aussprache und der richtigen Bildung der Laute haben, behandelt der Logopäde diese mit einer gezielten Förderung der:

  • Artikulation
  • Sprechgeschwindigkeit
  • Koordinativen Leistung
  • Motorischen und sensorischen Sprachregionen des Sprechapparates.
  • Atmung
  • Stimme

Zu guter Letzt zielt die Sprechtherapie auch auf den Schluckvorgang ab, der durch eine gezielte Behandlung und Therapie behandelt und verbessert werden kann.

Die Stimmtherapie

Der dritte Bereich, der in der Logopädie eine wichtige Rolle spielt, ist der Bereich der Stimmtherapie. Wie Sie sich vielleicht bereits denken können, zielt dieser Bereich darauf ab, die Stimme zu stärken und auch andere Probleme bezüglich der Stimme zu lösen. Weitere Probleme bezüglich der Stimme stellen unter anderem Heiserkeit oder auch der Räusper-Zwang dar.

Um diese Probleme lösen zu können, erfolgt mit einigen bestimmten Vorgängen eine Regulation der:

  • Atmung
  • Artikulation
  • Phonation, die sowohl die Laut- als auch die Stimmbildung umfasst
  • Schluckvorgänge

Je früher, umso besser?

Brauchen Menschen nicht als Folge einer Erkrankung im Erwachsenenalter eine logopädische Behandlung, sondern weisen sie bereits als Kind eine Störung der Sprach- und Sprechentwicklung auf, ist es wichtig, so früh, wie möglich zu handeln.

Demnach konzentriert sich ein sehr großer Teil der Logopädie auf die Behandlung von Problemen bei Kindern.

Grundsätzlich sollten Sie Kindern immer ausreichend Zeit lassen und darauf verzichten, sie unter Druck zu setzen. Sollte ein Kind jedoch mit vier Jahren immer noch deutlich hinter den gleichaltrigen Kindern hängen, bietet es sich an, es logopädisch untersuchen zu lassen.

Je früher die Behandlung bei einem Kind stattfindet, umso höher stehen die Chancen, dass die logopädische Behandlung sehr gute Erfolge mit sich bringt. Denn in der Regel bringt die Therapie durch einen Logopäden viele Erfolge mit sich. Das trifft dabei jedoch nicht nur auf Kinder, sondern auch auf Erwachsene zu, die aufgrund unterschiedlicher Umstände und Probleme einen Logopäden aufsuchen und sich in die logopädische Therapie begeben.

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