Kind mit offenem Mund

Die Trotzphasen eines Kindes stellen viele Eltern auf eine harte Probe. Wie belastbar sind die Nerven? Wie viel halten sie aus, bevor der Faden endgültig raust? Sind die Grenzen wirklich fest oder lässt sich da noch was verschieben?

So herausfordernd die Trotzphase sowohl für die Eltern als auch für das Kind sein mag – sie spielt in der Entwicklung des Kindes und auch bezüglich der Beziehung zwischen Kindern und Eltern eine fundamentale Rolle.

Was Sie sich unter der Trotzphase überhaupt vorstellen dürfen und, welchen Sinn und Zweck sie erfüllt, erfahren Sie in diesem Artikel genauer.

Was genau ist die Trotzphase eigentlich?

Sie kennen bestimmt einige oder vielleicht auch alle der folgenden Situationen:

  • Obwohl es laufen soll bleibt das Kind auf einmal stehen und macht keinen Schritt mehr.
  • Eine Sache läuft nicht so, wie sich das das Kind vorgestellt hat. Die Antwort auf die Frustration äußert sich in Schrei- und Heuldramen.
  • Sie bekommen keine Antwort auf Fragen, die Sie an das Kind richten.
  • Etc.

Die Trotzphase erscheint in vielen unterschiedlichen Facetten, sodass sich Eltern nicht selten überfordert fühlen. Wie reagieren Sie am besten, wenn das Kind mal wieder den Fußboden des Supermarktes mit seinem kompletten Körper wischt? Was machen Sie, wenn es mit seinen Fäusten die Festigkeit des Fußbodens testet oder versucht ein Loch mit dem Kopf in die Wand zu rammen? Wie sollen Sie cool bleiben, wenn Sie innerlich kochen, weil das Kind am laufenden Band schreit und heult, anstatt ruhig mit Ihnen zu kommunizieren?

Ja – die Trotzphase ist anstrengend und stellt sich als alles andere als einfach und unkompliziert heraus. Denken Sie allerdings immer daran, dass ein Kind nicht trotzt, weil es Sie ärgern möchte. Es trotzt, weil es sich in einem wichtigen Entwicklungsschritt befindet, Grenzen austestet oder schlicht und ergreifend nicht weiß, wohin mit sich. All die neuen Emotionen und Dinge, die ein Kind lernt und erfährt, wirken nicht selten überfordernd. Das Trotzen stellt in diesem Fall das Ventil dar, über das etwas Luft entweichen kann.

Wann findet die Trotzphase statt?

Kind steht ohne Shirt

Natürlich haben alle Kinder und auch Erwachsene ab und an einen schlechten Tag. Zwar wirft sich ein Erwachsener in der Regel nicht schreiend auf den Fußboden, doch es kommt vor, dass auch Sie den Drang danach verspüren, Ihrer Wut und Ihrer Frustration freien Lauf zu lassen.

Allerdings stellt die Trotzphase eines Kindes eine besondere Phase in der Entwicklung dar. Natürlich wird es auch später in seinem Leben weiterhin in Kontakt mit Frust und Wut kommen. Doch die Trotzphase stellt die Phase dar, in der das Kind diese Emotionen genauer kennenlernt und es lernen muss, mit ihnen um zu gehen. Das gestaltet sich nicht immer einfach, sodass vor allem in den ersten sechs Lebensjahren des Kindes die Trotzphase stattfindet.

Wie schon gesagt liegt das unter anderem an den unterschiedlichen Entwicklungen, die Kinder innerhalb dieses Zeitraums durchlaufen. Sie entwickeln sich nicht nur geistig, sondern auch körperlich weiter und lernen immer mehr Dinge dazu. Sie erweitern ihren Horizont und verspüren das Bedürfnis danach, mehr machen zu wollen, als sie eigentlich können.

Sprich: Kinder stoßen an ihre eigenen Grenzen und kommen mit dieser Tatsache noch nicht wirklich klar. Frust und Wut machen sich breit. Die Wucht dieser Gefühle überrollt Kinder in der Regel, dass sie diese heftigen Gefühle mitunter nicht gewöhnt sind. Das überfordert die Kinder, was dazu führt, dass sie auf irgendeine Art versuchen, ihrer Überforderung Luft zu machen.

Die Wichtigkeit der Trotzphasen

Wenn Sie so wollen, tragen die Trotzphasen eines Kindes dazu bei, dass sich das Kind emotional entwickelt. Natürlich macht das Kind auch körperliche Wachstumssprünge, doch oft sind es die emotionalen Sprünge, die in dem Trotz münden.

Spielen Sie die Gefühle eines Kindes während des Trotzes auf keinen Fall herunter und bestrafen Sie es nicht für seine Überforderung. Rufen Sie sich in den Hinterkopf, dass das Kind:

  • überfordert ist.
  • Gefühle nicht oder in der Wucht, in der es sie erlebt, nicht kennt.
  • eine Möglichkeit sucht, mit seinen Gefühlen umzugehen.

Spielen Sie Gefühle herunter oder bestrafen Ihr Kind für seinen emotionalen Zustand, könnte dies negative Folgen mit sich bringen. Denn das Kind:

  • lernt nicht, mit seinen Gefühlen umzugehen.
  • denkt, dass es falsch ist, negative Emotionen zu verspüren.
  • frisst Dinge in sich hinein, was später zu psychischen Krankheiten, wie Depressionen und auch einem geringen Selbstwertgefühl führen kann.
  • erfährt nicht, auf welche alternative Weise es mit seinen Gefühlen umgehen kann.

Um ein Kind in seiner emotionalen Entwicklung zu unterstützen, gehen Sie also richtig mit der Trotzphase des Kindes um. Nehmen Sie die Gefühle wahr und helfen Sie ihm dabei, mit ihnen umzugehen.

Die emotionale Entwicklung

Bevor Sie nun mehr über den richtigen Umgang mit den Trotzreaktionen eines Kindes erfahren, stellt sich die interessante Frage, was sich genauer hinter der emotionalen Entwicklung versteckt.

Ganz einfach und kurz erklärt, umfasst die emotionale Entwicklung eines Kindes drei Bereiche:

Ausdruck der EmotionDas Kind kennt seine Gefühle und kann sie somit auch ausdrücken. Das kann es nicht, wenn es keinen Raum bekommt, um seine Gefühle kennen zu lernen und mit ihnen um zu gehen.
Quelle der EmotionWenn Kinder Raum haben, ihre Gefühl kennen zu lernen, erkennt es sehr viel besser die Auslöser, die bestimmte Emotionen und damit zusammenhängende Reaktionen triggern.
Regulation der EmotionenNur, wenn das Kind in seinen Gefühlen ernst genommen wird und Unterstützung von den Eltern erfährt, lernt es, mit seinen Gefühlen umzugehen. Während die Wucht anfangs überwältigend ist, lernt es nach und nach, sich zu regulieren und mit seinen Emotionen umzugehen. Dafür muss es sie zulassen und leben dürfen, ohne für das Spüren negativer und positiver Emotionen bestraft zu werden.

Wie Sie sehen spielen die Gefühle in dem Rahmen der Trotzphase eine sehr wichtige und nicht zu unterschätzende Rolle. Helfen Sie Kindern dabei, mit Gefühlen umzugehen, sie anzunehmen und auch wieder zu verabschieden.

So gehen Sie richtig mit der Trotzphase um

Ja – Die Trotzphase ist anstrengend.

Natürlich – Ihre Nerven scheinen manchmal kurz vor dem Reißen zu stehen.

Sicherlich – Sie denken, die Phase findet kein Ende.

Ja – Sie haben das Gefühl immer wieder von vorne anzufangen.

Nein – Ihr Kind will Sie nicht ärgern.

Auf keinen Fall – Das Kind weiß nicht, wie ihm geschieht und fühlt sich selbst überfordert.

Nie – Stellen Bestrafungen und Schimpfen eine Antwort auf den Trotz dar. Niemand sollte bestraft oder geschimpft werden, weil er Gefühle hat.

 
Selbst, wenn Sie wissen, dass Sie Ihr Kind nicht bewusst provozieren möchte, wenn es trotz, haben viele Eltern mit der herausfordernden Trotzphase zu kämpfen. Demnach helfen Ihnen vor allem die folgenden Tipps, um gelassen und erfolgreich mit dem Trotz eines Kindes umzugehen.

Lassen Sie dem Kind Freiraum

Kind auf einem Baum

Kinder wollen lernen, entdecken und ausprobieren. Greifen Sie nicht immer direkt ein und gehen nicht aus Prinzip davon aus, dass Ihr Kind zu klein ist, um eine bestimmte Sache zu machen. Stellen Sie sicher, dass sich die Rahmenbedingungen als sicher herausstellen und lassen Sie das Kind ausprobieren.

Die Montessori-Methode, über die Sie in einem separaten Artikel mehr erfahren, unterstützt Sie dabei, Ihr Kind ganz nach dem Ansatz „Hilf mir dabei, es alleine zu lernen“ zu unterstützen.

Es geht nicht gegen Sie!

Auch, wenn es schwer ist – nehmen Sie den Trotz und die Reaktion des Kindes auf seine überwältigenden Gefühle nicht persönlich. Wenn das Kind bereits Blicke der anderen Menschen auf sich zieht und nichts hilft, um es zu beruhigen, machen sich nicht selten Gefühle der Verzweiflung, des Schams, aber auch der Überforderung in den Eltern breit. Rufen Sie sich in diesen Situationen vor allem zwei Dinge vor Augen:

  1. Es ist egal, was die anderen Menschen sagen. Es geht um Ihr Kind und um Sie.
  2. Ihr Kind handelt nicht gegen Sie, sondern versucht, mit seinen Gefühlen umzugehen, die es gerade überfordern.

Alleine der Ansatz, das Verhalten Ihres Kindes nicht persönlich zu nehmen, hilft Ihnen dabei, einen etwas klareren Kopf zu behalten und gemeinsam mit dem Kind eine Lösung zu finden.

Handeln Sie empathisch

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, das besagt, dass das Kind genau dann trotzt, wenn Sie viel um die Ohren haben. Atmen Sie in diesem Fall einmal tief ein und aus und versetzen sich in die Lage des Kindes hinein. Wieso reagiert es so? Was hat es erlebt, dass es so starke Gefühle erlebt? Indem Sie die Perspektiv wechseln und sich in das Kind hineinversetzen, fällt es Ihnen leichter mit Empathie und Einfühlungsvermögen auf den Trotz zu reagieren.

Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie es verstehen und, dass es normal ist, sich von Gefühlen überwältigt zu fühlen.

Nehmen Sie das Kind in den Arm

Frau umarmt Kind

Manchmal hilft es, wenn Sie Ihr Kind ganz fest in den Arm nehmen und es einfach halten. Sie sind der Anker, der es hält, wenn es das Gefühl hat, frei zu fallen und keinen Halt zu finden.

Respektieren Sie allerdings auch, wenn das Kind nicht in den Arm genommen werden möchte. Sagen Sie ihm in diesem Fall jedoch, dass Sie da sind und in der Nähe bleiben. Ihr Kind kann zu jeder Zeit zu Ihnen kommen und sich in den Arm nehmen lassen.

Entdecken Sie die Gefühle

Der Trotz stellt oft eine Folge der Unsicherheit und der Übermannung durch die Gefühle dar. Ihr Kind weiß nicht, wie ihm geschieht und, wie es mit seinen Gefühlen umgehen soll. Helfen Sie ihm dabei, seine Gefühle kennen zu lernen und sagen Sie ihm, dass es vollkommen in Ordnung ist, die Gefühle zu spüren.

Ihr Kind wird Ihnen nicht sagen, was es fühlt, wenn es seine Gefühle nicht benennen kann. Versuchen Sie aus diesem Grund die Gefühle, die Sie sehen, zu verbalisieren. Ihr Kind kann seine Gefühle somit mit Ihrer Hilfe besser benennen und greifbar für sich machen. Auch das Spiegeln Ihres Kindes unterstützt Sie dabei tatkräftig.

Bieten Sie Alternativen an

Hat sich das Kind beruhigt, bieten Sie ihm entweder Ihre Hilfe oder eine Alternative an. Denn oft stellt Trotz die Antwort auf eine Situation dar, der das Kind noch nicht gewachsen ist. Durch Alternativen fühlt sich das Kind nicht so, als hätte es etwas nicht geschafft und kommt in den Genuss des sehr wichtigen Erfolgserlebnisses. Diese positiven Erfolgserlebnisse stellen einen wichtigen Bestandteil in der kindlichen Entwicklung dar.

Seien Sie ein Vorbild

Wussten Sie, dass es vielen Erwachsenen schwerfällt mit Gefühlen umzugehen? Schauen Sie auf sich und beobachten Sie sich in Ihrem Verhalten mit Gefühlen. Um dem Kind zu helfen, seine Gefühle besser kennen zu lernen und ihnen besser zu begegnen, seien Sie ein Vorbild im Alltag. Verbalisieren Sie, wenn Sie wütend sind und sagen auch, warum. Sagen Sie, wenn Sie sich gestresst fühlen und nennen den Grund. Machen Sie das ebenfalls mit positiven Emotionen. Ihr Kind lernt somit gleich mehrere Dinge:

  • Es ist mit negativen Emotionen nicht alleine. Das Kind merkt, dass auch Sie Gefühle erleben und manchmal wütend und verzweifelt sind.
  • Ihr Kind lernt, indem es Sie beobachtet und nachahmt, wie es Gefühlen am besten begegnet.

Nehmen Sie das Kind ernst

Erwachsener mit Kind, das die Arme hebt.

Wenngleich es nicht aus böser Absicht geschieht, nehmen viele Erwachsene Kinder nicht ernst. Was für starke Gefühle mag ein so kleiner Mensch schon verspüren können? Was weiß ein Kind schon von den „echten“ Gefühlen im „wahren“ Leben?

Bedenken Sie immer, dass die Gefühle, die ein Kind spürt, für Sie vielleicht ein Klacks sein mögen, für ein kleines Kind jedoch überwältigend sind. Aus diesem Grund ist es so wichtig, mit Empathie auf die Trotzphase zu reagieren.

Spielen Sie die Gefühle des Kindes nicht herunter und nehmen es ernst. In diesem Zusammenhang spielt es auch eine wichtige Rolle bereit für Kompromisse zu sein. Merken Sie, dass es Ihrem Kind wichtig ist, eine bestimmte Sache zu machen, machen Sie Kompromisse und zeigen dem Kind somit, dass Sie es sehen und es ernst nehmen.

Setzen Sie in diesem Zusammenhang aber auch klare Grenzen und nennen Kindern immer den Grund, wieso Sie möglicherweise keinen Kompromiss eingehen können.

Mit diesen Tipps begegnen Sie der Trotzphase sehr viel gelassener und empathischer, auch, wenn es sich als nicht immer leicht herausstellt. Denken Sie jedoch immer daran, dass es sich bei der Trotzphase um eine vorübergehende Phase handelt und einen wichtigen Bestandteil der emotionalen Entwicklung des Kindes darstellt.

Gehen Sie richtig mit der Trotzphase um, helfen Sie dem Kind dabei zu einem starken, selbstbewussten und empathischen Menschen heran zu wachsen, der keine Angst vor Gefühlen hat und weiß, wie er mit ihnen umgehen kann.

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