Zwillinge lächeln

Sind Zwillinge schwerer zu erziehen?

In der Regel gehen Paare davon aus, dass in dem Bauch der schwangeren Frau ein Baby heranwächst. Somit stellt es für sehr viele jungen werdenden Eltern auch eine große Überraschung dar, wenn der Frauenarzt auf einmal verkündet, dass sich zwei Babys im Bauch der werdenden Mutter befinden.

Da viele Eltern nicht mit dieser Nachricht rechnen, machen sich mit dieser Nachricht neben der Freude auch Zweifel und Sorgen breit. Viele Fragen schwirren in dem Kopf der werdenden Eltern umher und machen ihnen zu schaffen:

  • Kann ich zwei Kindern gerecht werden?
  • Werde ich je wieder schlafen können?
  • Wie sieht es mit der Erziehung von Zwillingen aus?
  • Brauche ich womöglich Unterstützung?

All diese Fragen und auch weitere Zweifel schwirren mitunter in den Köpfen von Zwillings-Eltern herum, weshalb Sie in diesem Artikel eine Antwort auf die wichtigsten Zweifel und Fragen erhalten.

Sicherlich haben Sie es bei Zwillingen mit zwei Kindern zu tun, doch Zwillinge sind nicht unbedingt mit zwei Kindern zu vergleichen, die sich im Alter unterscheiden. Denn Zwillinge kommen in der Regel mit einer sehr viel stärkeren Bindung auf die Welt und leben oft im Einklang miteinander. Sie brauchen oft nicht so lange, um sich aneinander zu gewöhnen und sich aufeinander einzuspielen, weil sie sich bereits den Bauch der Mutter geteilt haben. Sicherlich kommt es auch zwischen Zwillingen zu Streitereien, doch es ist auch nicht richtig zu sagen, dass Eltern genauso viel Arbeit mit Zwillingen und der Erziehung haben, wie dies der Fall bei zwei Kindern ist, die sich durch einen Altersunterschied voneinander trennen.

Das doppelte Lottchen – doppeltes Glück oder doppelte Sorgen?

Vielleicht kennen Sie den Spruch, dass sich Eltern, sobald sie ein Kind haben, ihr ganzes restliches Leben lang Sorgen machen werden. Das heißt, dass sich Eltern mit der Geburt von Zwillingen nicht nur um ein Kind, sondern um zwei Kinder gleichzeitig sorgen müssen.

Allerdings duplizieren sich nicht nur die Sorgen, die sich Eltern um die Kinder machen, sondern auch die Freude verdoppelt sich, wenn Zwillinge auf die Welt kommen. Zwillinge mögen auf den ersten Blick den Anschein mit sich bringen anstrengender zu sein und mehr Zeit und Nerven zu erfordern, doch im Grunde genommen, stellt die Erziehung von Zwillingen keine größere Herausforderung dar, als die Erziehung von Kindern, die einzeln auf die Welt kommen.  

Vor allem bezüglich der Spielgefährten müssen sich Eltern keine Sorgen machen, da Zwillinge in der Regel sehr gut miteinander auskommen, viel Zeit gemeinsam verbringen und somit auch sehr viel miteinander spielen. Das verschafft den Eltern sehr viel Freiraum und bietet ihnen auch immer wieder Momente der Entspannung und der Ruhe.

Darauf muss bei der Erziehung von Kindern geachtet werden

Grundsätzlich erfolgt die Erziehung von Zwillingen genau, wie bei Kindern, die alleine auf die Welt kommen. Schließlich handelt es sich auch bei Zwillingen um Kinder, die in etwa dieselben Bedürfnisse und Wünsche haben, wie Kinder, die ohne einen Zwilling auf die Welt kommen.

Was sich etwas von den Geburten eines Kindes unterscheiden kann, ist die Tatsache, dass Zwillinge eine sehr starke Bindung zueinander haben und somit auch sehr viel mehr im Einklang miteinander leben und die Eltern augenscheinlich etwas weniger brauchen, als Kinder, die alleine auf die Welt kommen.

Grundsätzlich können Sie sich darauf verlassen, dass die Erziehung von Zwillingen nicht komplizierter ist, als die Erziehung von nur einem Kind. Allerdings sollten Sie immer einige wichtige Aspekte im Hinterkopf behalten, um beiden Kindern zu derselben Zeit gerecht zu werden. Denn genau das stellt eine große Sorge vieler werdenden Zwillings-Eltern dar. Sie haben Angst beiden Kindern auf einmal nicht gerecht zu werden und immer eines der beiden Kinder zu vernachlässigen.

Vermeiden Sie die Pluralform

Zwei paar Babyfüße

Zwillingen laden in der Regel dazu an, automatisch die Pluralform zu verwenden, wenn man sie anspricht. Sie kommen schließlich als doppeltes Lottchen zur Welt und können somit auch immer im Doppelpack gesehen werden. Sicherlich spricht nichts dagegen, beiden Kindern dieselben Outfits anzuziehen und damit die Tatsache zu unterstreichen, dass es sich bei den Kindern um Zwillinge handelt.

Dennoch sollten Sie nicht vergessen, dass beide Kinder ihre vollkommen eigene Identität haben. Zwar mögen sie vor allem in den ersten Jahren im Einklang miteinander leben und sich auch übereinander definieren, doch früher oder später werden sie merken, dass sie eine eigene Identität haben.

Erkennen Sie diese Tatsache an und verhindern es, sich immer in der Pluralform an die Kinder zu wenden. Natürlich können Sie sagen „Na, wie geht es euch?“ oder „Na, was macht ihr gerade?“. Allerdings sollten Sie auch gezielt nach den einzelnen Kindern fragen und einzeln mit Ihnen in Kontakt treten.

Führen Sie Einzel-Aktivitäten mit den Kindern durch

Es ist praktisch, wenn Sie sich nicht immer mit der Organisation von Playdates beschäftigen müssen, sondern den Spielpartner für Ihre Kinder direkt selbst auf die Welt gebracht haben. Dennoch ist es wichtig, dass Sie Zwillinge nicht nur als „Doppelpack“ betrachten, sondern auch Zeit mit jeweils einem der beiden Kinder verbringen.

Selbst, wenn Zwillinge gerne viel Zeit miteinander verbringen und sich auch gegenseitig brauchen, ist es wichtig, dass jedes Kind seine Privatsphäre bekommt und nicht 24 Stunden am Tag mit dem anderen Kind zusammensitzt.

In dem Rahmen der Einzelaktivitäten fällt es den Eltern sehr viel einfacher:

  • eine intensive Bindung zu beiden Kindern aufzubauen.
  • die einzelnen Talente und Fähigkeiten der beiden Kinder zu entdecken und zu fördern.
  • für die Privatsphäre der Kinder zu sorgen.
  • die Persönlichkeitsentwicklung der beiden Kinder positiv zu unterstützen.

Somit geht es bei der Erziehung von Zwillingen nicht nur um die Erziehung der Kinder selbst. Es geht zu einem sehr großen Teil auch darum, dass Sie sich als Elternteil umerziehen. Sprich: Sehen Sie in den Zwillingen nicht immer „die zwei“, sondern sehen Sie zwei Individuen. Zwar haben diese eine sehr spezielle und in der Regel lebenslange Bindung, dennoch sind sie zwei einzelne und eigenständige Menschen.

Verzichten Sie auf Vergleiche

Zwei Kinder in der Natur

Zwillinge laden nicht nur dazu ein, ständig die Pluralform in den Mund zu nehmen. Sie laden auch zu ständigen Vergleichen ein, zu denen Eltern bei allen Kindern neigen. Das liegt an der Tatsache, dass sich jedes Kind anders entwickelt und ein anderes Tempo hat. Erreicht ein Kind aus dem Umfeld einen Meilenstein früher als das eigene Kind, führt das bei vielen Eltern zu dem Drang des Vergleiches.

  • Wieso entwickelt sich mein Kind langsamer?
  • Warum kann das Kind meiner Freundin schon laufen?
  • Weshalb hat mein Kind noch nicht sein erstes Wort gesagt?

Es ist vollkommen normal, dass Kinder die Meilensteine der Entwicklung zu jeweils anderen Zeitpunkten und in ihrem individuellen Tempo erreichen. Allerdings präsentieren sich Ihnen die Gelegenheiten für den Vergleich mit Zwillingen auf dem Silbertablett. Umso wichtiger ist es, dass Sie darauf achten, die beiden Kinder so wenig, wie möglich miteinander zu vergleichen.

Das mag bereits bei Geschwistern, die keine Zwillinge sind, eine große Herausforderung darstellen. Allerdings trennt sie in diesem Fall der Altersunterschied. Zwillinge sind gleich alt, weshalb mögliche Unterschiede in der Entwicklung und auch im Verhalten besonders auffallen.

Besser und schlechter?

Zwei Kinder halten sich gegenseitig die Augen zu

Verzichten Sie darauf, die Zwillinge zu vergleichen. Sie geben immer einem der beiden damit das Gefühl besser oder schlechter zu sein. Das ist auch dann der Fall, wenn Sie das womöglich gar nicht implizieren wollen. Es kommt am Ende des Tages darauf an, was bei Ihren Kindern ankommt. Ein ständiger Vergleich impliziert, dass Sie unzufrieden sind und etwas mit einem der beiden Kinder nicht stimmt.

Zwillinge haben nicht selten das Vorurteil Gegensätze zu ein. Viele Menschen gehen davon aus, dass sich Zwillinge oft unterscheiden. Einer ist der Ruhige und der andere der Wilde. Der eine der Schnelle und der andere der Langsame, etc. ist. Es mag durchaus sein, dass Zwillinge unterschiedlicher nicht sein können, doch selbst dieser Umstand rechtfertigt es nicht, die Kinder ständig untereinander zu vergleichen.

Achten Sie auf separate Freundeskreise

Sie müssen Kinder nicht voneinander trennen oder ihnen den Umgang mit bestimmten Freunden verbieten. Allerdings sollten Sie durchaus darauf achten, dass beide Kinder einen separaten Freundeskreis haben. Es ist wichtig, dass nicht nur Sie Ihre Kinder als zwei eigenständige Individuen ansehen, sondern, dass auch die Kinder selbst verstehen, dass sie einzelne Menschen sind.

Zwillinge dürfen dieselben Freunde haben, dennoch ist es wichtig, dass sie sich nicht mit Kindern anfreunden, nur weil der Zwilling mit ihnen befreundet ist.

Die Dominanz eines Kindes

Zwei Kinder am Meeresufer

Vielleicht haben Sie bereits Zwillinge beobachtet und festgestellt, dass es in der Beziehung oft ein Kind gibt, das das andere Kind dominiert. Das äußert sich auf unterschiedliche Art und kann sich bei den einzelnen Zwillingspaaren unterschiedlich stark manifestieren:

  • ein Zwilling gibt immer nach, während ein anderer Zwilling alle Entscheidungen trifft.
  • der eine Zwilling lässt sich von dem anderen Zwilling „bedienen“ und sich immer alle Dinge bringen.
  • einer der beiden Zwillinge spricht für den anderen Zwilling.

Alleine diese Umstände stellen erst einmal keinen Grund zur Beunruhigung dar. Es ist vollkommen normal, dass sich die Charaktere der beiden Kinder voneinander unterscheiden. Nicht selten kommt es vor, dass ein Zwilling etwas schüchterner ist, als der andere und sich somit „hinter dem anderen Zwilling versteckt“.

Beobachten Sie die Kinder in Ihrem Verhalten und in Ihrer Beziehung und greifen erst ein, wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Kind das andere unterdrückt oder gnadenlos ausnutzt. Greifen Sie die Kinder jedoch nicht an, sondern stärken das augenscheinlich „schwächere“ Kind. Am besten machen Sie das, indem Sie es bestärken und ermutigen.

Die Sache mit der Zurechtweisung  

Ob Strafen in der Erziehung von Kindern etwas verloren haben oder nicht, ist eine Sache für sich. An dieser Stelle ist es aber vielleicht interessant zu erwähnen, dass immer mehr Experten darauf hinweisen, dass Strafen absolut nichts bringen und es sinnvoller ist, mit Kindern zu sprechen.

Ganz abgesehen von möglichen Strafen und ihren Nutzen oder ihren Nachteilen, gehen Zwillinge mit Zurechtweisungen oder Hinweisen darauf, dass sie etwas unterlassen sollen, sehr viel lockerer um, als „Einlinge“. Denn, selbst wenn die Eltern einmal sagen sollten, dass ein Verhalten nicht in Ordnung ist, machen sich Zwillinge in der Regel nicht so viel daraus. Schließlich haben sie sich untereinander.

Somit haben Anmerkungen nicht immer den gewünschten Effekt. Wenn Sie einen ruhigen Moment suchen, um mit beiden Kindern separat zu sprechen, kann sich das unter Umständen etwas anstrengend und herausfordernd darstellen.

Tipps und Tricks für den Umgang mit Zwillingen

Aufgrund der gerade genannten Umstände ist es umso wichtiger, dass:

  • die Eltern gemeinsam an einem Strang ziehen.
  • Sie möglicherweise eine ruhige Kuschelecke einrichten, in der Sie ruhig mit den Kindern reden können.  
  • Kindern ausreichend Möglichkeiten zum Spielen zur Verfügung stehen und sie bestimmte Zeiten haben, zu denen sie toben können. Denn vor allem, wenn Zwillinge miteinander spielen, entwickelt sich nicht selten ein recht hoher Geräuschpegel.

Die Erziehung von Zwillingen stellt Eltern somit durchaus vor einige Herausforderungen. Allerdings kommen sie auch in den Genuss vieler Vorteile, da sich Zwillinge in den meisten Fällen sehr wohl miteinander fühlen, sich gegenseitig suchen, miteinander spielen, sich stärken und aufbauen, wenn es einem der beiden schlechtgehen sollte. Zu guter Letzt spielt es auch immer eine Rolle, wie sich die Charaktere der Kinder gestalten. Denn der Charakter der Kinder hat einen sehr großen und nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Erziehung dar. So kann es sein, dass sich die Erziehung zweier sehr unkomplizierter Kinder deutlich einfacher gestaltet, als die Erziehung eines aufbrausenden „Einlings“.

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